Lernen fürs Leben Siegen e.V.
 
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LFL e.V. ~ Wildweg 3 ~ 57078 Siegen

Lernen fürs Leben Siegen e.V.

Wildweg 3
57078 Siegen

0271-7411-0102
www.lfl-siegen.de
vorstand@lfl-siegen.de


Konzept für unsere Neue Förderschule

Stand: 30.03.2024

Mit der Neuen Förderschule (Arbeitsname) soll eine Förderschule in freier Trägerschaft entstehen, die auf Grundlage der Pädagogik und Sozialwissenschaft Rudolf Steiners aufbaut. Im bewährten Modell einer Eltern-LehrerInnen-Trägerschaft soll der Verein Lernen fürs Leben Siegen e.V. Schulträger werden.

1. Entstehungsanlass und Bedarfslage

Die Neue Förderschule entsteht aus einer lokalen Initiative von Eltern, LehrerInnen und UnterstützerInnen. Ihre Wurzeln finden sich in der Heilpädagogischen Waldorfschule NN-Schule1.

Die Neue Förderschule soll dabei keine Konkurrenz zur bestehenden NN-Schule1 darstellen, sondern das Bildungsangebot im Einzugsbereich ergänzen. Mit dem Schwerpunkt auf Naturpädagogik, einem besonderen Fokus auf die Schuleingangsphase und einer engen Zusammenarbeit zwischen LehrerInnen und Elternhäusern bzw. Betreuungseinrichtungen wird eine Neuausrichtung angestrebt.

In den letzten Jahren war in der NN-Schule1 deutlich geworden, dass die Nachfrage nach Schulplätzen bereits in der Unterstufe kontinuierlich stieg. Insbesondere in der Mittelstufe konnten nicht mehr alle SchülerInnen aufgenommen werden und es gab Wartelisten, die die Kapazitäten der Schule überstiegen.

Allgemein ist vielen Eltern in den letzten Jahren deutlich geworden, dass das inklusive Setting (Beschulung von Kindern mit verschiedenen Beeinträchtigungen im Rahmen von Regelschulen in normaler Klassengröße etc.) nicht für alle Kinder entwicklungsfördernd ist.

Ein wachsender Bedarf nach Schulplätzen im „geschützten Rahmen“ einer Förderschule ist aus unserer Sicht zweifelsfrei gegeben.

2. Allgemeines

Das folgende Schulkonzept lehnt sich in vielen Aspekten an die Erfahrungen an, die wir (PädagoInnen) während unserer bis zu 28jährigen Tätigkeit an der NN-Schule1 gemacht haben. Der zwölfklassige Aufbau mit dort zuletzt 128 SchülerInnen erscheint als ein reichlich bewährtes Modell (das es ähnlich auch in anderen Waldorf-Förderschulen sowohl in NRW wie in anderen Bundesländern gibt):

Im Endausbau sollen jeweils bis zu 12 SchülerInnen mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten in 12 Jahrgangsklassen unterrichtet und gefördert werden.

Folgende offiziellen Förderschwerpunkte sollen möglich sein:

Darüber hinaus ist es uns ein Anliegen ~ sofern dies genehmigungsrechtlich möglich sein wird ~ , auch SchülerInnen mit besonderen und herausfordernden Biographien anzusprechen, die einen kleineren Lern- und Entwicklungsrahmen benötigen, um sich auf das Lernen konzentrieren zu können. Im Speziellen soll sich dieses Angebot an SchülerInnen mit traumatischen Erfahrungen wie z.B. Krieg und Flucht richten.

Unser Ziel ist es, eine Ganztagsschule mit folgenden Schulzeiten zu werden:

2.1 Gemeinsamer Unterricht

Unser erweitertes binnen-integratives Konzept wird auch dem Ziel der Inklusion gerecht. Teilhabe und heilpädagogische Förderung sollte nach unserer Ansicht den gesamten Unterricht und Tagesablauf durchziehen und sich in langjährigen menschlichen Beziehungen entfalten können.

Die sehr unterschiedlichen Förderschwerpunkte haben zur Folge, dass neben den Beeinträchtigungen auch die unterschiedlichen Stärken und Fähigkeiten in der SchülerInnenschaft einer Klasse zusammentreffen. Jedes Kind bringt ein Stück Vielfalt und damit „Normalität“ mit in die Klasse. Dadurch kann in besonderer Weise ein gegenseitiges Geben und Nehmen in den Bereichen des schulischen Lernens, des Sozialen und Emotionalen entstehen. Auf Grundlage der Heterogenität kann jedes Kind Vorbilder in der Klassengemeinschaft für sich ausmachen und andererseits mit den eigenen Stärken, sei es Lebensfreude, Mitgefühl, Willensstärke oder durch besondere Leistungsaspekte im Lernen selbst zum Vorbild für andere SchülerInnen werden.

2.2 Klassenübergreifende Angebote

Über die Klassengemeinschaft hinaus ist es uns ein besonderes Anliegen, dass die SchülerInnen und PädagogInnen die Schulgemeinschaft als Ganzes erfahren. Das Zusammenführen zu einem Schulganzen und Erleben von Gemeinschaft soll erreicht werden durch:

3.Die Pädagogik

„Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“ (Hermann Hesse)

3.1. Anthroposophische Heilpädagogik

Grundlage der anthroposophischen Pädagogik (Waldorfpädagogik) ist die von Rudolf Steiner entwickelte Menschenkunde. Es wird davon ausgegangen, dass die gesetzmäßigen, altersbedingten Stufen der Entwicklung in der Heilpädagogik wie in der Waldorfpädagogik gelten. Sie bilden die Grundlage für Unterricht und Erziehung. In der anthroposophischen Heilpädagogik spricht man von „heilender Erziehung“. Man geht von der Überzeugung aus, dass die Individualität des Menschen mit Behinderung selbst nicht beeinträchtigt ist, sondern durch physische und psychische Störungen auf Hindernisse trifft, die individuellen Möglichkeiten entfalten zu können. Mit Hilfe der Menschenkunde versucht die Heilpädagogik, die Ursachen für die Behinderungen im Körperlichen oder Seelischen zu erkennen und durch pädagogisch-therapeutische Maßnahmen Hilfe zu geben. Dabei wendet man die Aufmerksamkeit nicht nur auf die Symptomatik der einzelnen SchülerInnen, sondern versucht in jedem Falle, seine unbeeinträchtigte Individualität, den Wesenskern, zu erreichen. Ziel der nach der Pädagogik Rudolf Steiners arbeitenden Schulen ist es, die Individualität des Menschen mit Behinderung zu größtmöglicher Entfaltung ihrer Kräfte zu bringen.

3.2 Besondere Schwerpunkte unserer Pädagogik

Der Name des Trägervereins „Lernen fürs Leben e.V.“ soll als Motto das gesamte Schulleben auf verschiedenen Ebenen durchziehen. Rudolf Steiner sagte zum Thema „Lernen“: Das Leben selbst ist die Schule ~ die Waldorfschule quasi nur eine Vorschule. Für Menschen, die von Behinderungen betroffen sind, gilt dies im erhöhten Maße. Wir wollen stets unser Hauptaugenmerk im Sinne der Waldorfpädagogik darauf richten, allen Kindern soviel ganzheitliche Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, damit sie mit innerer Stärke im Leben stehen können und sich mit ihrer Welt auseinander setzen können.

Verlässliche Beziehungen

Wir wollen, dass im täglichen Unterricht und Zusammensein „Lernen fürs Leben“ nicht nur auf kognitiver Ebene stattfindet. Basis für alles spezielle Lernen soll ein täglich erfahrenes Zugehörigkeitsgefühl zu den Mitmenschen und zur Welt sein. Gemeinsam wird eine lernfreudige Atmosphäre und Umgebung kultiviert, die ein staunendes Aufschauen zu gemeinsam erlebten Weltinhalten ermöglicht. Dies ist die beste Grundlage auch für kognitives Lernen.

Dafür ist besonders in den ersten Jahren der Schulzeit ein Raum nötig, in dem sich menschliche Begegnungen lebendig entfalten können und ihr Potential ausschöpfen können. Die überschaubare Klassengröße und das feste Zusammenbleiben der Klassen in der Kernzeit tragen dazu bei, aber auch die Zugehörigkeit der Klassenlehrkraft zu dieser Kindergruppe über die ersten 6 bis 8 Schuljahre hin. In der Unterstufe begleitet der Klassenlehrer die Kinder durch den größten Teil der Woche. Auch für die weiteren Jahre gibt es dann einen bleibenden Klassenbetreuer, der die Klasse bis zum Ende der Schulzeit führt.

Auch für die IntegrationshelferInnen, die für einige Kinder nötig sein werden, streben wir diese Verlässlichkeit an. Wir wollen daher in Absprache mit den Sozial- und Jugendhilfeträgern ein Pool-System einrichten, bei dem diese unterstützenden Menschen mit dauerhaften Arbeitsverträgen direkt ins pädagogische Team eingebunden sind.

Innerhalb der Klassengemeinschaft entsteht schon durch den Ganztagsbetrieb ein tragendes Gemeinschaftsleben. Die Mahlzeiten werden zusammen eingenommen und teilweise auch vor- oder zubereitet, die Pausen gemeinsam verbracht.

Im Sozialen lernen die SchülerInnen in bewusst gepflegten Erzählrunden das aktive Zuhören als Grundlage für die Entwicklung von Empathie und Konfliktbewältigungskompetenzen. Der Klärung von Auseinandersetzungen wird Raum gegeben und im aktiven Zuhören die Sichtweise des anderen zu verstehen versucht. So wird Leben miteinander geteilt und es entsteht eine Atmosphäre, in der jeder das Grundgefühl hat: „Ich darf so sein wie ich bin, und mich nach meinen Möglichkeiten und in meinem Tempo entwickeln“.

Kollegium als lernende Gemeinschaft

Grundlegend ist in der Waldorfpädagogik der Gedanke, dass alle Erziehung im tieferen Sinne Selbsterziehung ist. Dies ist persönliche Aufgabe jedes Einzelnen, wird aber durch Gemeinschaft unterstützt: in unserm Fall durch die intensive Arbeit der wöchentlichen Lehrerkonferenz.

In gegenseitigen Unterrichtshospitationen soll für die pädagogische Qualitätssicherung und Weiterentwicklung in einem von Respekt und Wertschätzung getragenen Rahmen Raum für Entwicklung auf Augenhöhe gegeben werden.

Sehr bewusst wollen wir unsere Schule in kollegialer Selbstverwaltung gründen und betreiben, weil wir glauben und hierin auch reflektierte Erfahrung haben, dass unsere pädagogisch-menschlichen Ziele sich in diesem Rahmen am besten verwirklichen lassen.

Eltern-Lehrer-Gemeinschaft

Der Elternarbeit möchten wir einen besonderen Stellenwert geben. In regelmäßig stattfindenden Elternabenden und Einzelgesprächen werden wir die Eltern bzw. BetreuerInnen in unsere Arbeit einbinden und den Entwicklungs- und Lernstand der Kinder besprechen.

Nach unserer Erfahrung ist es von großer Bedeutung, das familiäre Umfeld in die Beschulung und Betreuung der Kinder miteinzubeziehen. Ein durchgehend begleitender Kontakt in Form von individuellen Beratungen, aber auch gemeinsamen Erlebnissen und Aktionen soll eine Schulsozialarbeit auf Vertrauensbasis ermöglichen.

Da wir oft erleben, dass es für Eltern viele Fragen und Nöte in Bezug auf die Erziehung ihrer Kinder gibt, möchten wir Angebote etablieren, die hier aktive Hilfe geben. So ist die Idee, grundlegendes Wissen zu Bindung, Erziehung, Frustration, Grenzen und Unreife auf Elternabenden zu vermitteln. Bei Resonanz in der Elternschaft können Lern- und Übungsräume von einem bindungsorientierten und traumainformierten Coachingansatz realisiert werden. Diese Coachingmethode richtet sich im Besonderen an Eltern und BetreuerInnen, die die Beziehung zu den Kindern und SchülerInnen vertiefen wollen, und lenkt das Augenmerk auf Fragen wie: Was passiert, wenn ich als Erwachsener aus meiner Gelassenheit falle? Was brauche ich ganz persönlich, um in Verbindung mit dem Kind bleiben zu können, und was passiert in den Momenten genau, wenn dies nicht gelingt? Mit neugierigem Forscherblick und besonderen Übungen soll auf diese Punkte hingeschaut und ein Miteinander des Übens und gemeinsam Wachsens kultiviert werden.

Die Kinder sollen im Zentrum der Betrachtung stehen und im liebevollen Blick durch Eltern und LehrerInnen unterstützt werden.

Ein Sinnbild möge verdeutlichen, wie wir uns unsere Schulgemeinschaft vorstellen: In der Mitte unseres Kreises sind die Kinder („unsere Zukunft“), außen wir Erwachsenen. Der Kreis gibt den Kindern Schutz. Damit die Kinder wirklich in der Mitte des Kreises sein können und dort ihresgleichen begegnen können, müssen wir Erwachsenen sie loslassen: die Eltern kennen diese Aufgabe, aber auch die LehrerInnen müssen loslassen, und nicht etwa glauben, sie hätten die besseren Erziehungs-Einsichten. Nur wenn wir Erwachsenen alle loslassen können und selbstlos die Kinder Kinder sein lassen können, haben wir überhaupt die Hände frei, um unter uns Erwachsenen einen bewussten, starken, stabilen, schutzgebenden Kreis zu bilden. Gelingt uns dies, ist es zweifellos die größte Wohltat, die wir den Kindern geben können.

Als weiteres Angebot wollen wir, wenn nicht aus eigenen Kräften, dann durch Koordination, Ferienbetreuungsangebote für die Familien ermöglichen. Es ist besonders für Eltern von Kindern mit Beeinträchtigungen schwer, geeignete Betreuungsmöglichkeiten während der Schulferien zu finden. Ideal wäre, eventuell in Zusammenarbeit mit anderen Jugendhilfeträgern Betreuungen anzubieten, in die von der Schule her vertraute PädagogInnen oder KlassenhelferInnen einbezogen sind.

So soll unsere Schule für alle daran beteiligten Menschen, SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern und BetreuerInnen, ein Ort werden, an dem Lernen und Entwicklung in einem von Respekt und Achtung getragenen Rahmen gelebt wird.

Mensch und Natur

In Anbetracht des unkontrollierten Informations-Überangebotes wird unserer Ansicht nach die Frage des ganzheitlichen Lernens auf der einen Seite und der Reduktion von Sinneseindrücken zugunsten eines konzentrierteren Lernens immer wichtiger. Aus unserer Sicht brauchen Kinder und Erwachsene daher neben den schulischen Plänen auch einen übergeordneten Rahmen, welcher grundlegende Gesetzmäßigkeiten und Rückzugsmöglichkeiten natürlicherweise vermittelt.

Die Natur-und Wildnispädagogik soll sich deshalb als durchziehendes Band durch unsere Neue Förderschule weben. Wir denken, dass das Lernen in und mit der Natur an ein tiefgründendes Bedürfnis des Menschen anschließt und besonders für Kinder mit speziellen Beeinträchtigungen und Fähigkeiten ein wertvolles Element ist.

Die Wildnispädagogik versucht, durch intensive Erfahrungen in der Natur Verletzungen von Menschen heilen und Defizite aufholen zu lassen. Es werden wenige Anforderungen und Regeln aufgestellt, und die Kinder sollen die Gelegenheit haben, ihre Sinne-, die Grob- und Feinmotorik sowie die seelische Wahrnehmung nachreifen zu lassen. Wir möchten diese Naturerfahrungen gemäß der anthroposophischen Menschenkunde nach Rudolf Steiner in unseren Unterrichtsalltag einbeziehen und mit den Kindern gemeinsam daran lernen.

4. Unterricht

4.1 Hauptunterricht / Epochenunterricht

Vielfältig bewährt hat sich über die gesamte 12klassige Schulzeit hin der waldorfspezifische „Epochenunterricht“: Der Klassenlehrer vermittelt zur besten Lernzeit des Tages die Hauptfächer der schulischen Lernens wie:

Grundsätzlich werden ca. vier Wochen lang täglich Unterrichtsthemen eines dieser Fächer unterrichtet. Die SchülerInnen haben so die Möglichkeit, vertieft in ein Thema einzutauchen. Nach einer solchen „Epoche“ kann das Gelernte „absinken“ und sich festigen, bis der Unterrichtsstoff in einer späteren Epoche wieder aufgegriffen, vertieft und weitergeführt wird („Spiralcurriculum“).

Ebenso bewährt hat sich ein schon „waldorf-klassischer“ Aufbau der einzelnen Unterrichtseinheiten (die daher nicht zu eng getaktet werden dürfen), besonders des Hauptunterrichtes:

  1. Rhythmischer Teil“: Das kognitive Lernen fällt leichter, wenn man sich durch „weckende“ körperliche, sprachliche, sinnliche Übungen in eine „frische“ lernbereite Haltung gebracht hat. In der Unterstufe nimmt dieser „Rhythmische Teil“ einen großen Raum ein. Aus der Nachahmung heraus werden die Kinder mit Gesang, Bewegung, Spielen, rhythmischen Sprach- und Artikulationsübungen zu einem harmonischen Miteinander geführt. Neben der so wichtigen Gemeinschaftsbildung bietet der „Rhythmische Teil“ unter therapeutischen Aspekten viele Möglichkeiten der Sinnesschulung und -nachreifung, der Sprach- und Gedächtnisförderung usw. Kinder, die mit dem rein kognitiv-betrachtenden Lernen Schwierigkeiten haben, finden auf diese Weise (soweit die ausgewählten Übungen z.B. themenbezogen sind) einen leichteren Einstieg und sind leichter zu motivieren.
  2. zentraler „Lernteil“: Hier werden die Unterrichtsthemen gemeinsam erarbeitet. Auf diesen Lernteil bezieht sich ~ ein Stück weit im Widerspruch zu öffentlichen Klischees über Waldorfpädagogik ~ der größte Teil des Fundus an waldorfpädagogischer Systematik und Methodik. Der inhaltliche Lernstoff selbst hat einen pädagogisch wirkenden („menschenkundlich“ erfahrbaren) Charakter. Daraus resultiert der altersmäßig relativ festgelegte, dennoch schriftlich nicht „ex cathedra“ festgelegte Waldorf-Lehrplan (siehe unten). Als einige wenige Beispiele seien erwähnt: die spezifische Buchstabeneinführung in der 1. Klasse, das Bruchrechnen in der 4. Klasse, die Pflanzenkunde (in ganz bestimmter Darstellungsart im Vergleichen der Pflanzenfamilien) in der 5. Klasse, ein kausal betrachtender Geschichtsunterricht erst in der 6. Klasse. Aus der spezifischen, in der Waldorfbewegung vielfach bewährten, beziehungsreichen Darstellungsweise dieser Inhalte folgt schon, dass im Kern dieses Lernteils der „lehrerzentrierte“ Unterricht sehr wohl seine Stellung behauptet, nicht aus traditionalistischen, sondern aus pädagogischen Gründen.
  3. Mit dem „Erzählteil“ schließt der „Hauptunterricht“ ab: der Lehrer erzählt den Kindern nicht einfach eine beliebige „Geschichte“, sondern sehr bewusst ausgewählte (ebenfalls in der Waldorfbewegung strukturierte und reflektierte) Inhalte, die wiederum dem seelischen Entwicklungsstand der SchülerInnen auf der jeweiligen Altersstufe entsprechen. Dies geschieht nicht als Vorlesen, sondern als freies Erzählen, in das die Kinder „eintauchen“ und dabei entspannen können. Doch über diese reine Entspannungsfunktion dient diese Phase auch dem „Nachklingenlassen“ des erarbeiteten Unterrichtsinhaltes, teilweise dem Vertiefen desselben, kann aber auch für andere pädagogische Zwecke eingesetzt werden.

4.2 Fachunterricht

An unser Schule sollen neben den oben genannten Hauptunterrichtsfächern weitere, teils waldorfspezifische Fächer etabliert sein:

4.3 Berufsvorbereitung / Schulabschlüsse

Die Schulzeit an der Neuen Förderschule soll ~ nach bewährtem Muster entsprechender Waldorfschulen für alle 4 genannten Förderschwerpunkte ~ auf 12 Schuljahre ausgelegt sein. Die Durchlässigkeit der Schule ist selbstverständlich gegeben, d.h. die Möglichkeit, die Schule evt. früher zu verlassen, nach Absprache auch bereits mit dem „Hauptschulabschluss nach Klasse 9“. Unser waldorf-orientierter Bildungsgang ist jedoch auf die 12 Jahre angelegt. Der Förderbedarf aller SchülerInnen wird gemäß schulrechtlicher Bestimmungen mindestens jährlich überprüft.

In der Oberstufe (ab Klasse 9) wird ein deutlicher Schwerpunkt auf die Förderung berufsbezogener Fähigkeiten und beruflicher Orientierung gelegt. Die handwerklichen Fächer werden innerhalb von Halbjahres- oder Jahresepochen intensiviert; dabei werden direkt praxisbezogene kulturtechnische berufsbezogene Fähigkeiten geübt, z.B. Material- oder Kostenberechnungen, Formulierungen von Geschäftsbriefen (idealerweise soll ein Schülerladen entstehen) etc. Praktika werden sowohl gruppenweise (z.B. Forstpraktikum) als auch mehrmals in individueller Form (in Handwerk, Industrie, Dienstleistung, WfbM etc.) durchgeführt und von uns in Kooperation mit den Praktikumsstellen und anderen Institutionen (u.a. Agentur für Arbeit) begleitet.

Klassenwiederholungen sind, wie generell in Waldorfschulen, nicht vorgesehen, sie würden die angestrebte Gemeinschaftsbildung unterbrechen, und eine Differenzierung auf jeden einzelnen Schüler muss an unserer Schule ohnehin gewährleistet sein. Die erreichbaren Schulabschlüsse richten sich nach den individuellen Möglichkeiten der SchülerInnen. Für die SchülerInnen mit den Förderschwerpunkten „Lernen“ sowie „Emotionale und soziale Entwicklung“ ist dies meistens der „Hauptschulabschluss nach Klasse 9“.

Für die SchülerInnen mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ kann die Schulzeit evt. gemäß den schulrechtlichen Bestimmungen verlängert werden, wenn der betreffende junge Erwachse damit dem Ziel des Bildungsganges nähergebracht werden kann. Wir wollen hier unpädagogische „Ehrenrunden“ auf jeden Fall vermeiden. Andererseits schwebt uns vor, evt. zusätzlich für einige SchülerInnen Möglichkeiten für den Übergang ins Arbeitsleben an unserer Schule zu schaffen (z.B. im Küchen- und Hauswirtschaftsbereicht, in der Hausmeisterei).

5. Lehrplan

„Der“ Lehrplan „der“ Waldorfschule ist nicht letztgültig kodifiziert, sondern befindet sich in ständiger Weiterentwicklung. Genau so waren die vor über 100 Jahren von Rudolf Steiner gelegten Grundlagen gemeint: als Anregungen, die vor allem dadurch wirken, das man ihren Sinn begreift. Dies geschieht sowohl in den einzelnen Schulen (Konferenzarbeit) wie auch in den Vernetzungen der Waldorfbewegung. Nachfolgend sind schriftliche Grundlagenwerke angegeben ~ die sich jedoch nicht auf den Förderschul-Bereich beziehen. Auch diese Arbeit ~ die flexible Abwandlung von aus der allgemeinen Waldorfschulbewegung stammenden Lerninhalten und Lernzielen auf Förderschulen ~ wird in der ständigen Arbeit sowohl vor Ort wie auch in der Bewegung (Fortbildungen, Zeitschriften, Websites wie www.waldorf-ideen-pool.de) geleistet.

6. Zeitschiene / sukzessiver Aufbau

Uns schwebt ein Start der Schule zum Schuljahresbeginn im Sommer 2025 vor.

Wir würden mit ca. 4 Schulklassen beginnen: entweder die Klassen 1 bis 4, oder (wahrscheinlicher) etwas altersübergreifende Klassen, z.B. 1/2, 3/4, 5/6, 7/8. Für letzteres spricht, dass die Eltern einiger SchülerInnen aus stark belasteten Schulsituationen bereits unseren Schulanfang erhoffen, und diese sich nicht exakt in 4 Einzelklassen einordnen lassen.

Ab Sommer 2026 würden wir jedes Jahr eine neue Einschulungsklasse (1. Klasse) aufnehmen.

Mehrere von uns Pädagogen haben mit diesem Modell sukzessiven Wachstums Erfahrung aus den Frühzeiten der NN-Schule1.

Das skizzierte Modell würde einen Start ermöglichen, ohne dass die gesamte Bausubstanz bereits schulgerecht umgebaut ist. Auch unter finanziellen und personellen Aspekten spricht einiges für ein langsameres, gesundes Wachstum.

1 Aus Gründen des Datenschutzes wird in diesem öffentlichen Text der Name der Vorgänger-Schule nicht erwähnt.

Siegen, 30. März 2024


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