Lernen fürs Leben Siegen e.V.
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Der Schmetterling ~ Nr.43

Sonntag, 7. Juli 2024
Lernen fürs Leben Siegen e.V.

0271-7411-0102  ~  www.lfl-siegen.de

An Sinnesoffenbarung hingegeben
Verlor ich Eigenwesens Trieb,
Gedankentraum, er schien
Betäubend mir das Selbst zu rauben,
Doch weckend nahet schon
Im Sinnenschein mir Weltendenken.


Auf dem Weg zum Schmetterling (2)

Die folgende Metapher (den Anfang lasen Sie letzte Woche) verdanken wir Mathias Forster aus Dornach, Geschäftsführer und Stiftungsrat der Bio-Stiftung Schweiz. Der Text ist ein Transkript eines mündlichen Beitrags, mit freundlicher Genehmigung des Autors, für die wir herzlich danken. Auf der Website der Stiftung finden Sie eine etwas längere, ebenfalls mündliche Darstellung dieses Bildes ~ „Warum wir nicht verzweifeln“.

Und dann plötzlich kommt in diese Raupenpuppe die erste Schmetterlingszelle. Puff! ist sie da. Was geschieht? Das Immunsystem der Raupe frisst die auf ~ obwohl sie Teil desselben Wesens ist und schon bruchstückhaft die Zukunft ihm repräsentiert!

Das ist wie einer der kommt und sagt: die Erde ist nicht eine Scheibe, die ist rund, oder: die Sonne dreht sich nicht um die Erde, sondern die Erde um die Sonne. Diese Leute, die etwas Neues in den sozialen Organismus einbringen, sind immer weggesperrt, für verrückt erklärt oder umgebracht worden.

Und dann kommen aber immer mehr von diesen Schmetterlingszellen. Und wir sind alle Schmetterlingszellen.

Und dann? Das Immunsystem der Raupe fährt hoch und frisst die auf. Und es kommen immer mehr Schmetterlingszellen. Was machen die jetzt? Sie fangen an Cluster zu bilden. Sie kommen mit anderen Schmetterlingszellen zusammen, weil sie merken, alleine geht es nicht so gut, wir müssen mal ein bisschen clustern. Es entstehen immer mehr Schmetterlingszellen.

Das ist der erste Schlüssel. Das Neue bekämpft nicht das Alte. Das Alte bekämpft das Neue, aber das Neue potenziert sich durch Clustering.

Wenn wir das Alte bekämpfen, bieten wir ihm den Widerstand, den es braucht um seine Kräfte noch mehr zu mobilisieren. Also Potenzierung durch Clustering zeigt uns die Metamorphose. Und dann entstehen immer mehr von diesen Schmetterlingszellen-Clustern. Und eines Tages implodiert das Immunsystem der Raupe, bricht zusammen, ist überhitzt, ist überlaufen, ist überarbeitet.


Und dann geht’s sehr schnell. Dann gibt’s nur noch Schmetterlingszellen.

Aber: die neue Form ist da noch nicht vorhanden! Das heißt: die Hülle der Puppe, die alte Form sozusagen, hält dieses neue Schmetterlingszellen-Bewusstsein zusammen.

Bis durch einen inneren Reifungsprozess die neue Form sich herausbilden kann. Dann ist der Schmetterling da, in dieser Puppe drin!

Und dann ~ ein weiteres Geheimnis ~ verhärtet die alte Form. Wenn die Schmetterlingspuppenhülle elastisch bleiben würde, könnte der Schmetterling, die neue Form, durch Innendruck die nicht sprengen! Und so sind vielleicht alte Gesetze, die plötzlich schmerzen und verhärten, auch als sowas anzusehen, was man dann sprengen kann! Oder wie Teer, der aufbricht und man dann schnell den Samen einschmeißen kann, damit dann da was was neues wächst. Also alte Formen, die anfangen zu verhärten und zu verengen, sind da, damit man sie sprengen kann. Und dann arbeitet der Schmetterling sich unter Aufwendung aller seiner Kraft aus dieser alten Form heraus.

Wenn man ihm jetzt helfen will, damit es schneller geht, stirbt er! Weshalb? Er braucht den Widerstand des sich aus der alten Form Herausarbeitens, um an diesem Widerstand die Kraft zu entwickeln, die er braucht, um nachher fliegen zu können!

Und das hilft mir, die Widerstände unserer Zeit als eine Art homöopathische Reizung anzuschauen, an der wir unsere seelisch-geistigen Muskeln trainieren können. Um dann auch im richtigen Moment die richtigen Kräfte und die richtige Formen zu haben, um die Freiheit dann auch wirklich selbständig ergreifen zu können.

Übrigens: Beim Packen für den Urlaub denken Sie an die Malsachen für die Kinder! Wir hätten gern noch ein paar Schmetterlinge als Illustration für unsere Website und unsern „Schmetterling“. Natürlich dürfen auch Erwachsene Gemälde beisteuern, oder auch selbstgeschossene Fotos.

Das war’s …

… mit der Schmetterlings-Metamorphose. Ist das unsere Selbst-Beweihräucherung? Wir sind die Neuen, die vom Alten bekämpft werden (wenn schon so eindrücklich klar wird, dass das Neue nicht das Alte bekämpft)? ~ So platt ist das bestimmt nicht gemeint, weder von uns noch von Mathias Forster.

„Wir sind alle Schmetterlingszellen.“ Wir sind alle eingeschifft auf eine Reise, von der unser kleines Bewusstsein noch nicht so viel weiß. Unzählig sind die Vortragsstellen, an denen Rudolf Steiner ausdrückt, dass es für den Menschen weniger auf das „etwas Sein“ ankommt, als vielmehr auf das Werden. Der Mensch ist vor allem ein Werdender, kein Fertiger. Der Schmetterling führt uns vor Augen, dass „Entwicklung“ sich oft als das berühmte „Stirb und Werde“ vollzieht.

Wenn wir uns also alle, einfach indem wir heute hier leben, auf einer Reise finden, die wir gar nicht bewusst gebucht haben, so könnte es ja dennoch sinnvoll sein, über Richtung und Ziel der Reise zu reflektieren, indem man versucht, die „Zeichen der Zeit zu erkennen“. Wenigstens ahnen, was vom eigenen Gepäck veraltet ist, und was die Zukunft von einem fordern könnte. Und da bietet sich die Anthroposophie an, die als „ungeladener Gast der modernen Kultur“, so Steiner, keine Besserwisserei mit sich bringt, sondern Gastgeschenke, die man nach und nach zu schätzen lernen wird. So und nicht anders sind stets unsere Reflexionen hier gemeint, auch die, die wir anlässlich unserer konkreten Geschichte im „Klappspiegel“ aufschrieben: Gelegenheiten zum Lernen, die nicht ungenutzt bleiben dürfen.

Damit geht es in die Sommerpause ~ jedenfalls was den Schmetterling betrifft. Zugleich freuen wir uns auf zwei Behörden-Gespräche in der nächsten Zeit, als wichtige Schritte zum konkreten Vorwärtskommen. Und überhaupt hoffen wird, dass wir Ihnen dann im August Neues berichten können ~ spätestens auf unserer Mitgliederversammlung am Donnerstag, 29. August 2024, 19 Uhr, Christengemeinschaft, Melanchthonstr. 61, Siegen.

Wir wünschen schöne Sommer-Wochen, möge uns Gott Gunst erweisen! Für Ihre Anliegen sind wir natürlich durchgängig erreichbar!

Kindertheater in den Ferien

Langeweile in den Ferien? Jeden Samstag vom 13. Juli bis 17. August, jeweils 16 Uhr, gibt es auf der Bühne am Siegener Oberen Schloss Besonderes für Kinder zu erleben: die Stadt hat eine Veranstaltungsreihe mit Theater, Akrobatik, Clownerie, Musik organisiert (zusammengestellt übrigens durch eine Waldorf-Mutter). Die sechs Veranstaltungen sind kostenlos, und es wird versprochen, dass sie auch für Jugendliche und Erwachsene ein Genuss sind! Näheres hier und genauer hier.


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