Lernen fürs Leben Siegen e.V.
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Der Schmetterling ~ Nr.10

Sonntag, 29. Oktober 2023
Lernen fürs Leben Siegen e.V.

0271-7411-0102  ~  www.lfl-siegen.de

Noch mal ganz deutlich

Eine pädagogische Helferin drückt in einem spontanen Brief unsere Zielsetzung aus:

Ich muss das einfach noch mal ganz deutlich sagen. Die Jahre an der JRS waren für mich die wertvollsten beruflichen Jahre. An jedem von euch, mit dem ich zusammen arbeiten durfte, bin ich gewachsen. Diese Erfahrungen kann mir ja niemand mehr nehmen. An einem Ort zu sein, wo die Liebe zu den Kindern in jedem Tun, zu jeder Stunde deutlich wurde. Wo eigentlich das Leben gefeiert wurde, jedes einzelne! Ich habe in meiner Klasse erleben können, wie die schwierigsten Kinder durch die unglaubliche Intuition der Klassenlehrerin aufgeblüht und gesundet sind. Ihr Humor und ihre Leidenschaft für diesen Beruf war jeden Tag Inspiration und Ansporn.

Die JRS war ein Seelenort, ich denke für uns alle.

Ich wünsche mir so sehr, dass wir es schaffen, so einen Ort noch einmal an den Start zu bringen, dass viele viele Kinder daran genesen können. Dass wir den Geist mitnehmen, der keine Heimat mehr hat in der Numbach.

Der Kranke kann nicht träumen

Und was machen wir so im Vorstand? Wir träumen! Zum Beispiel beim Ortstermin in der letzten Woche: Herzklopfen und viele „Ahs“ und „Ohs“ beim Kennenlernen des Geländes: Die alten Ställe sind doch ideal für drei Unterstufenklassen. Dort die Schmiede. Dort die Küche, dann zieht der Duft direkt ins kleine Dorf und die Leute werden ins Café gelockt. Was werden sich die Leute freuen, dass endlich was los ist hier. Nachmittags können sie auch aufs Gelände und bei den Ziegen gucken … Usw.

Sollten wir uns nicht diese Träumereien verkneifen, stattdessen nüchtern denken und handeln?

Aber dies ist kein Widerspruch, im Gegenteil, es gehört zusammen! Das kann man aus psychiatrischen Erkenntnissen ablesen. „Apraxie“, so heißt die Krankheit, wenn man keine geordneten, geplanten Handlungen mehr ausführen kann (sondern nur noch unwillkürliche Reflexhandlungen). Und die ersten Erforscher dieser Krankheit drückten sich so aus: wozu diese Kranken nicht in der Lage sind, sind die „Vor-Vorstellungen“ der Handlung, und sie nannten dies tatsächlich den „Traum der Handlung“. Der Vor-Begriff der Handlung sitzt nämlich, so weiß auch die Anthroposophie, nicht im Verstand, sondern tiefer, in einer Seelenschicht, die wir verschlafen – und die übrigens auch unser „Schicksal“ geheimnisvoll bestimmt.

Das Träumenkönnen ist also Voraussetzung des gesunden Handelnkönnens. Vielleicht erleben wir unsere vollgepackten Vorstandssitzungen, trotz aller Hürden, die unser Projekt nehmen muss, auch deswegen als erfrischend. Erziehung zum Träumenkönnen ist ein Element der Waldorfpädagogik, gehört zum „Lernen fürs Leben“. Unsere alte Schule (siehe oben) verdankten wir begeisterungsfähigen Menschen, die sich Träume leisteten, vierzig Jahre ist das her. Auch Ihnen, liebe LeserInnen, wünschen wir das gesunde Träumenkönnen. Damit Sie im richtigen Augenblick den Telefonhörer in die Hand nehmen können, um … z.B. Mitglied zu werden oder weitere Menschen auf uns aufmerksam zu machen.

Der Klappspiegel ?

~ alte Kamellen? ~ bewahrenswerte Schätze? ~ Klappspiegel öffnen? ~

Zwei verbliebene Kolleginnen sollen letzte Woche hart geschimpft haben gegen einen der neuen „Herrscher“: er solle doch endlich einsehen, dass eine Stärkung der Anthroposophie notwendig sei, für das Kollegium unserer ehemaligen Wirkensstätte. Gemeint sind wohl Seminare etc. – Ach du liebe Zeit! Kann man ernsthaft denken, innerhalb von Macht-„Strukturen“ (siehe den Klappspiegel von letzter Woche) könne irgendwie Geistiges aufleben? Rudolf Steiners Innovationswerte in einer beliebigen, notfalls zurechtgeputschten äußeren Form? Eine klägliche Illusion, der aber auch nur wenige, eben diese verbliebenen Kolleginnen erlegen sind (während die führenden Akteure noch ganz andere Motive hatten).

Entweder will man eine freie, selbstverwaltete Schule, oder man will sie nicht. Wir im Vorstand wollen sie, weil nur in ihr die Reichtümer einer menschenkundlichen Pädagogik leben können – und nicht, wo unter Erwachsenen völlig andere Ziele und Gepflogenheiten herrschen als man sie den Kindern vermitteln will. Das sagt eigentlich der gesunde Menschenverstand. Zur Trainierung desselben lesen und diskutieren wir auf unseren Sitzungen das Buch „Was ist eine freie Schule?“ von Johannes Mosmann, und können es denjenigen empfehlen, die diese Einheit zwischen pädagogischer Zielsetzung und Arrangement unter Erwachsenen besser ins Bewusstsein bekommen wollen.


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