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Der Schmetterling ~ Nr.120 Sonntag, 7. Juni 2026 0151-5737-5277 ~ www.lfl-siegen.de |
Zu sommerlichen Höhen
Erhebt der Sonne leuchtend Wesen sich;
Es nimmt mein menschlich Fühlen
In seine Raumesweiten mit.
Erahnend regt im Innern sich
Empfindung, dumpf mir kündend,
Erkennen wirst du einst:
Dich fühlte jetzt ein Gotteswesen.
„Künstliche Intelligenz muss entwaffnet werden, befreit von den Logiken, die sie zu einem Instrument der Herrschaft, der Ausgrenzung und des Todes machen“, sagte Papst Leo XIV. laut Spiegel bei einer Präsentation seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“. Den Volltext in Deutsch finden Sie hier.
„Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz“ lautet der Untertitel der Enzyklika. Der Schule weist der Papst dabei eine wichtige Rolle zu. Denn sie sei der Ort, an dem gelernt werde, die Wahrheit als Gemeingut zu suchen.
„Die Schule ist der Ort, an dem die neuen Generationen lernen können, die Wahrheit zu suchen und zu lieben, sich mit dem Sinn des Lebens und mit der Würde eines jeden Menschen auseinanderzusetzen. Deshalb setzen viele Eltern, die möchten, dass ihre Kinder Beziehungsfähigkeit entwickeln, über kritisches Denken verfügen und sich auf solide Werte stützen, große Erwartungen in die Schule und betrachten diese als wertvolle Verbündete bei der Erziehung ihrer Kinder.“ (143)
Denn Wahrheit in diesem Sinn ist nicht eine durch „Faktenchecker“ zu garantierende Richtigkeit von Information, sondern ein menschliches Geschehnis:
„Wahrheitsgetreue Information entsteht nämlich nicht durch zentralisierte oder automatisierte Kontrolle. Im öffentlichen Diskurs hat die Wahrheit von Sachverhalten eine rationale Dimension, weil sie Verifizierung, Bestätigung der Quellen und verantwortungsvolle Argumentation erfordert; doch vor allem ist sie relational: Sie entsteht durch vertrauensvolle Beziehungen und gemeinsames Handeln, in einem ehrlichen Austausch mit den anderen und mit der Welt. Nur die gemeinsame Suche nach der Wahrheit von Sachverhalten, die als Gemeingut verstanden wird, kann eine gerechte Kommunikation begründen.“ (132)
Aber es geht auch um echte Waffen, um Krieg und das Ineinander von Gewalt und Bewusstseinssteuerung mit maschineller Hilfe. Der Papst scheut sich nicht, die „besorgniserregende Rehabilitierung des Krieges als Instrument der internationalen Politik“ zu kennzeichnen und dabei die Steuerung der öffentlichen Meinung durch „ein polarisierendes Narrativ in den Medien, das oft durch Algorithmen verstärkt wird“ ebenso anzusprechen wie die „enormen wirtschaftlichen Interessen“ seitens der Rüstungsindustrie.
Dies nur als schnell aufgezeichnete Beispiele dafür, dass man sich als kritischer Zeitgenosse erstaunlicherweise von diesem offiziellen katholisch-kirchlichen Dokument in puncto Zeitkritik durchaus „abgeholt“ fühlen kann. Zugleich, so muss ich bekennen, beeindruckt mich dieser lange, durchdachte und intensive Text (ich habe ihn noch nicht komplett gelesen) durch eine sprachlich eigentümlich packend formulierte und authentisch wirkende Religiosität, die ihm zugrunde liegt und in die er ausläuft. Die Kritik ist dem nicht aufgepfropft, sondern wächst daraus hervor. Ein Urteil steht mir nicht zu ~ doch kommt mir beim Staunen Steiners wiederholtes Diktum in den Sinn: das Christentum stehe ja erst am Anfang seiner Entwicklung. Und es wäre eine lohnende Aufgabe, diese breitangelegte Neuformulierung der katholischen Soziallehre1 zum Anlass zu nehmen, bei aller Sympathie das Trennende zur Anthroposophie hin herauszuarbeiten.2
Obwohl dieser reflektiert ausgebaute Kontext katholischen Glaubens also eigentlich dazugehört, ist es einstweilen sinnvoll, was der Pädagoge Klaus Zierer in diesem Artikel macht: er referiert und kommentiert speziell die auf Pädagogik im Spannungsfeld zur „KI-Besoffenheit“ bezogenen Aussagen der Enzyklika und liest aus ihr heraus: „Das Haus der Schule muss neu gebaut werden. Sein Fundament ist ein personales Menschenbild – seine tragenden Wände sind Wissen und Können, Herz und Charakter (…) – seine Fenster sind die Visionen „Frieden“, „Gerechtigkeit“ und „umfassende Nachhaltigkeit“ (…). Wir brauchen eine neue öffentliche Debatte über die Bildungs- und Erziehungsziele, die uns gerade in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft wichtig sind.“ Nun ja, es ist Professorenart, Debatten zu fordern; besser wäre, direkt das neue „Haus der Schule“ zu fordern, noch besser, es im Rahmen der Privatschulfreiheit selbst zu bauen.
1 Denn so versteht Leo XIV. seine Enzyklika, sich dabei beziehend auf seinen Namensvorgänger Leo XIII., der auf den Tag genau 135 Jahre vorher mit der Enzyklika „Rerum novarum“ die katholische Soziallehre begründete. ⇑
2 Das Vorgängerdokument „Rerum Novarum“ (aus seinem Geburtsjahr 1891) unterwarf der Anthroposoph Karl Ballmer 1942 in einer schweizerischen Zeitung einer herben Kritik: „Um es kurz und deutlich zu sagen: Es gibt genau so viele „Weltanschauungen“, als es soziologische Eigentumsbegriffe gibt. Man verschone uns also mit Deklamationen über „Weltanschauung“ – und wenn man den Schneid dazu hat, spreche man von Eigentumsbegriffen. ~ Zur Frage steht, ob der Eigentumsbegriff weiterhin am römischen Dekadenzwesen orientiert sein soll, oder ob das Wesen des Eigentums am Christusprinzip geklärt werden soll. Wir hängen mit allen unseren Rechtsbegriffen, und dazu gehört auch der Eigentumsbegriff, in den Netzen dekadenter römischer Juristik. Die christliche Kirche, als verlängerte Agonie des römischen Weltimperialismus, begründet demonstrativ ihren soziologischeh Eigentumsbegriff am Civis und Bürger des alten Rom. Ein römischer Bürger und Rechtsgenosse war man, insofern und weil man Eigentümer von Sachen, Sklaven oder Geld war. Am eindrucksvollsten offenbart sich das Wesen der römischen Rechtsperson darin, dass der Eigentümer über seinen Tod hinaus über sein Eigentum verfügen kann. Diesen römischen Bürger-Eigentümer, der kraft Testament über den Tod hinaus das Eigentum in seinem Eigenwillen behält, gibt es in der Weltgeschichte erstmals im alten Rom. Dieser römische Eigentumsbegriff steht im schneidensten Widerspruch zu einem anderen Eigentumsbegriff, der sich am Christusprinzip orientiert. Aber die katholische Kirche, als verlängerte altrömische Herrschaftsinstitution, vertritt durch das unfehlbar richtige Lehramt den heidnisch-altrömischen Eigentumsbegriff. (Die Weltanschauung der Enzyklika Rerum novarum dient, falls man es nicht wissen sollte, der Rechtfertigung des römisch-heidnischen Eigentumsbegriffes gegen die moderne Arbeiterbewegung.)“ ~ Bei der Vielzahl an Stichworten, die Leo XIV. nun 135 Jahre später in seiner Enzyklika behandelt (auch die sympathietragende „Menschheitsfamilie“ tritt siebenmal auf), fällt auf, dass der Eigentumsbegriff in Nr.66 nur kurz gestreift wird; auch das offenbar vollständige Fehlen der Umverteilungs-Problematik (Arm-Reich-Schere, womit ja die von Ballmer angemahnte Tiefe noch gar nicht erreicht wäre) verwundert. Dagegen ist wiederholt schlicht von „den Armen“ die Rede. ⇑
M.C.
Die LFL-Puppenspielbühne bereitet wieder ein Märchen-Puppenspiel vor: Rumpelstilzchen! Näheres folgt!
Was für ein wunderbares Märchen, so treffend und tröstlich in unsere Zeit passend! Durch den Übermut vergangener Generationen (den „Sündenfall“, könnte man sagen, des Müllervaters, der einfach behauptet, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen) ist die Tochter in eine furchtbar brenzlige Situation geraten. Sie kann das ja gar nicht!
„Wie wenig die Menschenseele vermag, das fühlt sie schon, wenn sie ihr Können vergleicht mit dem, was die Natur draußen kann, die alle Dinge ineinander verwandelt, die wirklich die große Zauberin ist, welche die Menschenseele so gern sein möchte. Im Bewusstsein mag es hingehen, leichten Herzens hinwegzukommen über diesen Abstand des menschlichen Innern gegenüber der Allweisheit und Allmacht des Geistes der Natur. Aber in den tiefen Seelenerlebnissen geht die Sache nicht so einfach ab.“
So Rudolf Steiner in einer kurzen Besprechung dieses Märchens.1 Es drücke „diesen Umgang der Menschenseele mit sich selbst, diesen unbewussten Umgang mit dem geschickteren Teile in der Seele“ aus. Und in der Tat, es gebe da eine tiefere Wesenheit in der Seele:
„Du wirst können, was du jetzt noch nicht kannst, denn es gibt etwas in dir, was unendlich mehr ist, als dein «Wissendes». Das ist dir ein treuer Helfer. Du musst nur ein Verhältnis dazu gewinnen, du musst nur wirklich einen Begriff verbinden können mit dieser in dir selber wohnenden klügeren, weiseren, geschickteren Wesenheit, als du selbst bist.“
Rumpelstilzchen ist dieser treue Helfer. Aber die Unersättlichkeit des Königs, der immer noch mehr Gold haben will, tut ein übriges. Am Ende hat Rumpelstilzchen der Müllerstochter zwar ermöglicht, Königin zu werden ~ doch als Preis dafür soll sie nun ihr Wertvollstes, Liebstes, ihre Zukunft hingeben, ihr Kind.
Da gibt es nur eine Rettung: wiederum eine Geschicklichkeit oder Wachheit, nämlich die des Boten, der irgendwo hinten im Wald dem „gar zu lächerlichen Männchen“ seinen Namen ablauscht.
Das ist tröstlich in bezug auf all die „Dystopien“, die ratlos machenden bedrohlichen Zukunftsvisionen, mit denen wir uns heute auseinandersetzen müssen, und die Steiner so vielfach vorausgesehen hat. Und jedesmal hat er betont: Gegen diese Art von „Bösem“, was auf der Geschicklichkeit, der Technik basiert, helfe kein Widerstand; es wird auf jeden Fall kommen. Das einzige, was man sinnvoll tun könne, ist die erkennende Auseinandersetzung damit. In dem Augenblick, wo wir dem Bösen frei begegnen und es beim Namen nennen, entpuppt es sich als „lächerlich“, und seine Macht ~ über unser Wertvollstes und unsere Zukunft ~ ist schlagartig vorbei. „Das hat dir der Teufel gesagt!“, wird noch gejammert. Ja wer auch sonst! Meinte Rumpelstilzchen, die erkennenden Kräfte des Teufels stünden ihm allein zur Verfügung?
Die aufmerksamen Boten sollten wir in Ehren halten, mag Rumpelstilzchen auch längst versuchen, sie uns abspenstig zu machen …