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Der Schmetterling ~ Nr.122

Sonntag, 14. Juni 2026
Lernen fürs Leben Siegen e.V.

0151-5737-5277  ~  www.lfl-siegen.de

Es ist in dieser Sonnenstunde
An dir, die weise Kunde zu erkennen:
An Weltenschönheit hingegeben,
In dir dich fühlend zu durchleben:
Verlieren kann das Menschen-Ich
Und finden sich im Welten-Ich.


Keine Tische-Aktion …

… wie im Extra-Schmetterling beworben gab es gestern; es hatten sich leider zu wenig helfende Hände gemeldet. Hmm, was bedeutet das? Wir hätten frühzeitiger fragen sollen? Zugegeben!

Andererseits ~ im heutigen Schmetterling wiederholt sich ein Motiv: will man die treibende Kraft immer von einer Mitte erwarten, an die man sich als am Rand Stehender dranhängt? Von einer Regierung, einer Schulleitung, einem Verband, einem Verein mit einem Vorstand? Oder zieht man sich selbst die Schuhe an und wird tätig? Darauf gibt’s keine Antwort, außer eine.

Wir machen demnächst einen neuen Versuch mit mehr Vorlauf!


Brücken bauen …


Plakat

Das nebenstehende Plakat (im Nachgang zum Besuch von Anna Geyer in Siegen) kann eigentlich für sich sprechen. Welche Brücken wären zur Zeit wichtiger!

Ist es überhaupt „in Ordnung“, wenn wir eine Einladung der Christengemeinschaft verbreiten? Wir sind doch organisatorisch nicht mit der Bewegung für religiöse Erneuerung verbunden?

Das nicht, aber die Christengemeinschaft ist ebenfalls eins der verschiedenen „Kinder“ der Anthroposophie, wie verantwortliche Menschen letztes Jahr in Bochum dargestellt haben ~ wie wir als Waldorf-Initiative auch. Und dass unsere Initiative ohne die Anbindung an Anthroposophie ~ von jedem Einzelnen an jedem Tag in Freiheit neu aufgefunden ~ nicht richtig Sinn machen würde, haben wir zur Genüge dargestellt.

Und weiter: Wer in die Anthroposophie hineinschnuppert, kommt nicht umhin, ihren Kosmopolitismus zu sehen, ohne den sie nicht vorstellbar ist. Sie kann nicht Eigentum einer bestimmten Weltregion oder Ethnie sein. Zu Steiners Zeiten war sie sicherlich für viele Zuhörer ein Aufruf, aus dem damals gängigen, angestammten, bornierten Eurozentrismus herauszukommen. Aber ist dieser etwa, so aufgeklärt wir uns auch dünken, durch eine Hinter- oder Seitentür wieder unbemerkt hereingekommen und bedroht uns heute umso schlimmer? Steiner baute „Brücken zwischen Menschen und Völkern“, indem er in Vorträgen subtil schilderte, wie die „Menschheit über die Erde hin differenziert“ ist. Er hielt ein „geisteswissenschaftliches“ Verständnis dessen für nötig, damit (1920) „auf die Welle des Hasses die Welle der Menschenliebe folge“1, und um weiteres größeres Blutvergießen zu vermeiden. Dabei bezog er sich auf eine nähere, aber auch eine weitere Zukunft, die auch für uns noch vor uns liegt. Es wäre eigentlich unverständlich, wenn dieses Kapitel der Anthroposophie ausgerechnet heute unbeachtet bliebe.

So dass hier ein Beispiel für das oben angedeutete Mitte-Peripherie-Thema zu sehen ist: wenn der Mutter-Verband (falls sich die Anthroposophische Gesellschaft so sehen möchte) sich aus allzumenschlichen Gründen zur Zeit nicht traut, sich im Sinne solcher Brücken zu engagieren, dann tut’s eben die Christengemeinschaft.2


Flügelschläge

1 GA 335 📄, 10. März 1920

2 Siehe auch unseren früheren Hinweis auf ein Interview als „Brückenbau“.

www.lfl-siegen.de  


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